Wie kann eine Übertragung von HIV vor/bei der Geburt und durch Stillen verhindert werden?
Die Übertragung von HIV in der Schwangerschaft und während der Stillzeit kann heute mit modernen medizinischen Maßnahmen in über 99 % der Fälle verhindert werden, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Hier sind die wichtigsten Strategien:
1. Frühe HIV-Testung Vor oder am Beginn der Schwangerschaft sollte ein HIV Test gemacht werden – am besten im ersten Drittel der Schwangerschaft. Wenn ein besonderes Risiko besteht, sollte der Test im letzten Drittel der Schwangerschaft wiederholt werden.
2. Antiretrovirale Therapie ()
Eine HIV-positive Schwangere sollte sofort mit beginnen (oder die Therapie fortsetzen). Ziel ist, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu bringen – das verkleinert das Risiko der Übertragung stark. Die Therapie ist auch in der Schwangerschaft gut verträglich und für das Kind sicher.
3. Medizinische Begleitung der Schwangerschaft bei HIV
Ein Team von Fachärzt:innen (Gynäkolog:innen, HIV-Spezialist:innen, vielleicht auch Kinderärzt:innen) begleitet die Schwangere und überwacht ihre Gesundheit. Vor der Geburt gibt es eine Kontrolle, die über die Art der Geburt entscheidet.
4. Geplante Art der Geburt
Eine vaginale Geburt (natürliche Geburt) ist möglich, wenn die Viruslast nicht mehr als 50 Kopien/ml beträgt, in der Regel ab der 36. Schwangerschaftswoche
Ein Kaiserschnitt (chirurgischer Eingriff) wird empfohlen, wenn:
○ Die Viruslast höher oder unbekannt ist. ○ Kein wirksamer -Schutz besteht. ○ Andere medizinische Gründe vorliegen.
5. Behandlung des Neugeborenen durch HIV-Medikamente nach der Geburt
Da sich das Baby während der Schwangerschaft und vor allem bei der Geburt anstecken kann, bekommt es nach der Geburt vorbeugend HIV-Medikamente, damit sich die Viren nicht in seinem Körper vermehren können. Das nennt man Postexpositionsprophylaxe. Je nach Risiko werden die Medikamente 2-4 Wochen gegeben. Es werden auch regelmäßige HIV-Tests beim Kind gemacht: z. B. ein PCR- Test nach der Geburt, mit 6 Wochen, 3 Monaten etc.
6. Stillen
Personen mit gut funktionierender HIV-Therapie können stillen! Voraussetzung ist, dass die Medikamente auch in der Stillzeit regelmäßig eingenommen werden. Außerdem müssen bei den stillenden Personen alle 2-3 Monate Tests gemacht werden. So kann man sich sicher sein, dass das Virus (HIV) unter der Nachweisgrenze ist und nicht auf das Kind übertragen werden kann. Die Entscheidung über das Stillen sollte man gemeinsam mit den Ärzt:innen treffen. Dabei sollten die medizinische Vorgeschichte und die Lebenssituation der Mutter berücksichtigt werden.
Fazit:
Bei frühzeitiger Diagnose, erfolgreicher Therapie und guter medizinischer Betreuung liegt das Risiko einer Übertragung des Virus auf das Kind heute unter 1 % – und in vielen Fällen nahe null. Eine HIV-Infektion steht somit einem Kinderwunsch nicht im Weg.
