Sexarbeit
Was ist Sexarbeit und wer darf in Deutschland Sexarbeit anbieten?
Sexarbeit ist eine sexuelle Handlung gegen Bezahlung. Die Bezahlung kann Geld sein oder etwas Anderes, zum Beispiel Geschenke. Bei Sexarbeit kann man Körperkontakt haben, zum Beispiel wenn man Sex mit jemandem hat oder jemandem eine erotische Massage gibt. Sexarbeit kann aber auch ohne direkten Körperkontakt passieren, zum Beispiel wenn die Person, die bezahlt, der Sexarbeitenden bei sexuellen Praktiken mit einer Webcam zuschaut oder Videos oder Fotos mit sexuellen Inhalten kauft oder im Internet chattet.
Menschen, die so arbeiten, heißen Sexarbeitende. Manche Menschen nennen ihre Arbeit „Sexarbeit“, andere nicht.
In Deutschland ist Sexarbeit erlaubt, wenn die Person mindestens 18 Jahre alt ist und freiwillig arbeitet. Wenn man Sexarbeit mit Körperkontakt anbieten möchte, muss man sich bei einer Behörde anmelden, damit man legal arbeiten darf. Auch Dominas oder Domini und BDSM-Dienstleister:innen, oder Erotik- oder Tantramasseur:innen müssen sich anmelden. Das steht im Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG). Dieses Gesetz regelt Sexarbeit in Deutschland.
Für die Anmeldung muss man entweder aus einem EU-Land kommen (Europäische Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt) oder eine Arbeitserlaubnis für selbstständige Arbeit in Deutschland haben.
Viele Menschen arbeiten trotzdem ohne Anmeldung. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel:
Sie dürfen sich nicht anmelden (sie haben zum Beispiel keine Arbeitserlaubnis)
Sie wollen nicht angemeldet sein (zum Beispiel wegen Datenschutz/Anonymität)
Sie wissen nicht, dass sie sich anmelden müssen.
Was ist sexuelle Ausbeutung?
Sexuelle Ausbeutung bedeutet, dass die Person
mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen wird. Das passiert teilweise gegen Geld. Das Geld bekommt aber nicht die Person selbst, sondern jemand anderes – der Täter oder die Täterin.
abhängig von einer anderen Person ist, zum Beispiel etwas von der Bezahlung oder den Reisepass an diese Person abgeben muss
nicht frei entscheiden darf, zum Beispiel welche Art von sexuellen Handlungen sie anbietet
Das passiert oft mit Druck, Drohungen, Abhängigkeit oder Lügen. Täter:innen wollen dadurch Geld oder Macht bekommen. Sexuelle Ausbeutung betrifft oft Kinder, Jugendliche oder Menschen in Not.
Sexuelle Ausbeutung ist eine Form von Menschenhandel. Menschenhandel bedeutet, dass Personen gegen ihren Willen transportiert, festgehalten oder ausgebeutet werden. Zum Beispiel durch Zwangsarbeit, sexuelle Ausbeutung, Bettelei oder Organhandel. Weitere Informationen und Hilfe kann man in Berlin hier bekommen.
Was ist das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) und wie kann ich mich anmelden?
Das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) gibt es seit 2017. Mit diesem Gesetz will der Staat Sexarbeitende besser schützen. Deshalb gibt es folgende Regeln:
Sexarbeitende müssen sich bei einer Behörde anmelden. In Berlin meldet man sich bei ProGABBerlin im Rathaus Schöneberg an.
In Deutschland ist Sexarbeit erlaubt, wenn man zwei Bescheinigungen hat:
1. Gesundheitliche Beratung 2. Anmeldeberatung
Diese Bescheinigungen bekommt man nach zwei Beratungen bei ProGAB Berlin. Alle Menschen können diese Beratungen erhalten. In den Beratungen erhält man Informationen zu den Themen Gesundheit, Sicherheit und Steuern. Man kann beide Bescheinigungen auch mit einem anderen Namen bekommen als der offizielle Name im Personalausweis oder Reisepass. So bleibt die eigene Identität etwas geschützt. Die Anmeldung unter einem anderen Namen heißt Alias-Bescheinigung.
Diese Bescheinigungen muss man bei der Arbeit immer dabei haben. Wer das nicht macht und bei einer Kontrolle erwischt wird, muss ein Bußgeld bezahlen.
Was darf man nicht?
Man darf keine Werbung für Sex ohne Kondom machen. (Verlinkung Frage 234)
Man darf keine Werbung für Sex mit Schwangeren machen.
Auch die Betreiber:innen von Bordellen oder anderen Orten der Sexarbeit müssen Regeln beachten:
Sie müssen den Ort bei der Behörde anmelden.
Es gibt Bau-Regelungen (wie die Räume sein müssen).
Sie müssen für Gesundheitsschutz sorgen, zum Beispiel, dass Kondome benutzt werden
Sie dürfen keine Vorstrafen wegen Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben. Also zum Beispiel dürfen sie keine Anzeige wegen Menschenhandel oder Gewalt haben.
Hier gibt es eine kurze Erklärung vom Prostituiertenschutzgesetz (nur auf Deutsch): Infos: Wie melde ich Sexarbeit an?
Die Broschüre „Gute Geschäfte“ erklärt das Prostituiertenschutzgesetz in verschiedenen Sprachen. Du kannst sie hier downloaden:
Deutsch [658 KB]
Englisch [643 KB] Spanisch [653 KB]
Bulgarisch [646 KB]
Rumänisch [642 KB]
Ungarisch [647 KB]
Thailändisch [692 KB]
Was bedeutet die Kondompflicht?
Im Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) steht, dass bei der Sexarbeit Kondome benutzt werden müssen. Kondome verhüten nicht nur eine Schwangerschaft , sie schützen auch vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen<Verlinkung Schlagwort>. In §32 (1) des Prostituiertenschutzgesetz steht wörtlich: „Kunden und Kundinnen von Prostituierten sowie Prostituierte haben dafür Sorge zu tragen, dass beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendet werden.“ Das gilt für Oralsex, Vaginalsex und Analsex. Wenn das nicht passiert, müssen Strafen von bis zu 50.000 € von den Kund:innen gezahlt werden. Auch die Werbung für Sexarbeit ohne Kondom ist verboten.
Wie kann ich mich vor gewalttätigen Klient:innen schützen, wenn ich in Deutschland nicht nach dem ProstSchG angemeldet bin?
Egal, ob du nach dem Gesetz (ProstSchG) angemeldet bist oder nicht: Du solltest dich so gut wie möglich bei der Arbeit schützen. Wie du dich schützt, hängt davon ab, wo du arbeitest. Zum Beispiel:
im Bordell
auf der Straße
allein in einer Wohnung
Allgemeine Tipps für deine Sicherheit:
Eine Person sollte immer wissen, wo du bist – besonders, wenn du alleine mit einem Gast bist.
Du kannst einen Selbstverteidigungskurs machen.
Halte ein Handy oder einen Taschenalarm bereit, damit du schnell Hilfe holen kannst.
Wichtig ist auch:
Kenne deine eigenen Grenzen
Sage klar, was du willst und was nicht. Die Regeln machst du, nicht dein Gast!
Wenn der Gast sich nicht an deine Regeln hält, kannst du sofort aufhören und dir Hilfe holen. Zum Beispiel, wenn der Gast aggressiv, beleidigend oder gewalttätig wird.
Hilfe bekommst du in Beratungsstellen. Dort kannst du vertraulich über deine Arbeit sprechen und bekommst Tipps für mehr Sicherheit.
Falls du von sexueller Ausbeutung betroffen bist, z.B. zu Sex gezwungen wirst, findest du hier Hilfe.
Wo finde ich Informationen über meine Rechte als Sexarbeiter:in?
In Berlin gibt es Beratungsstellen, die Sexarbeitende begleiten und über ihre Rechte informieren. Dort findest du Unterstützung!
Es gibt auch eine Liste mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und Anwält:innen, die sexarbeitsfreundlich sind: Roter Stöckelschuh
Außerdem gibt es von der Deutschen Aidshilfe (DAH) eine Broschüre mit Tipps für sicheres Arbeiten in verschiedenen Sprachen. Du kannst sie hier downloaden:
Deutsch
Englisch
Spanisch
Thailändisch
Russisch
Wie kann ich mit Nachfragen von Kund:innen nach ungeschützten Praktiken umgehen?
Deine Kund:innen sollten akzeptieren, dass du die Regeln für deine Sicherheit und Gesundheit bei deiner Arbeit machst. Sonst kannst du auch verweigern, ihnen deine Dienste anzubieten.
Du kannst auch auf die gesetzliche Kondompflicht hinweisen. Kondome schützen allerdings nicht zu 100% vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Infektionen zu testen.
Deine Gesundheit ist für deine Arbeit sehr wichtig! Als Sexarbeiter:in bist du in der Regel selbstständig und wer selbstständig ist und nicht arbeiten kann, hat in diesen Tagen dann oft kein Einkommen. Safer Sex ist eine wichtige Strategie, um deine Gesundheit zu schützen. Dazu können gehören:
Die Verwendung von Kondomen (das ist Pflicht, wie du in Frage 224 siehst) oder bei Bedarf Femidomen, Lecktüchern, medizinischen Handschuhen und genügend Gleitgel
Die Nutzung von PrEP zur Vorbeugung einer HIV-Infektion
Die Einnahme von PEP nach möglichen Übertragungsrisiken von HIV (z.B. ungeschützter Sex, geteilte Utensilien zum Drogenkonsum, Verletzung an benutzten Spritzen)
Eine HIV-Therapie für HIV-positive Menschen
Ein bewusster Konsum von Alkohol und Drogen, der deine Urteils- und Durchsetzungsfähigkeit nicht beschränkt
Regelmäßige Tests auf HIV/STI
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