Drogenkonsum und sexuelle Gesundheit
Peer & Hilfe: Welche Angebote gibt es?
Wenn du Hilfe und suchst, kannst du hier Anlaufstellen und Adressen finden.
Wie arbeiten die Drogenkliniken/Substitutionspraxen an Wochenenden und Feiertagen?
Substitutionspraxen sind Arztpraxen, die Substitutionsmittel an Menschen geben, die abhängig von Opiaten wie Heroin sind. Substitutionsmittel sind Ersatzmittel für Drogen. Sie mindern die Entzugserscheinungen und können helfen, ganz aus dem Drogenkonsum auszusteigen.
Es ist unterschiedlich, wie Substitutionspraxen in Berlin arbeiten. Einige sind jeden Tag offen, andere sind am Wochenende und den Feiertagen geschlossen. Bitte kläre mit deiner Praxis, wie deine Versorgung am Wochenende oder an Feiertagen in deinem Fall geregelt ist. Das wird je nach ärztlicher Einschätzung individuell gehandhabt.
Wie hoch ist das Risiko für Hepatitis C und HIV bei Drogenkonsum?
Wenn du Drogen spritzt, ist das Risiko für Hepatitis C und HIV ziemlich hoch – vor allem, wenn du die Sachen mit anderen teilst. Risiko für Hepatitis C: Hepatitis C wird leicht übertragen, schon durch winzige Blutreste kannst du dich anstecken. Wenn du mit Anderen Spritzen, Nadeln, Löffel, Filter oder Wasser teilst, kannst du dich schnell anstecken. Viele Leute, die Drogen spritzen, haben Hepatitis C – in manchen Gruppen mehr als die Hälfte.
Risiko für HIV: Auch wenn HIV schwerer übertragbar ist als Hepatitis C, kannst du HIV bekommen, wenn du eine gebrauchte Spritze nutzt – auch wenn sie sauber aussieht.
Besonders riskant ist es, wenn du Sachen mit anderen teilst, du keinen Zugang zu sauberen Spritzen hast und du nicht weißt, wie du dich schützen kannst.
Wie lässt sich das Übertragungsrisiko reduzieren?
Immer eigene, neue Spritzen und Nadeln benutzen
Kein Zubehör teilen – auch kein Wasser oder Löffel
Wenn es geht: Drogenkonsumräume nutzen
Beratungsstellen oder Hilfsangebote nutzen
Substitutionsbehandlung (zum Beispiel Methadon) senkt das Risiko
Welche Safer-Use-Regeln muss ich beachten?
1. Beim Spritzen:
Immer neues, steriles Besteck benutzen. Spritze, Nadel, Löffel, Filter, Wasser – alles frisch und nur für dich! Niemals teilen! Kein „nur kurz ausleihen“ – schon kleine Blutreste reichen für Hepatitis oder HIV.
Saubere Hände & Haut: Hände waschen, Einstichstelle desinfizieren, neue Alkoholtupfer nutzen.
Richtig spritzen: Nicht in Arterien oder Muskeln spritzen. Suche am besten eine gesunde Vene. Nie in den Hals oder die Leistengegend spritzen ohne ärztliche Hilfe! Wechsle die Einstichstellen, damit sich keine Abszesse oder Venenentzündungen bilden.
2. Beim Rauchen oder sniefen (schnupfen):
Eigenes Röhrchen bzw. eigenes Ziehröhrchen enthalten verwenden. Hepatitis C kann auch über die Nasenschleimhaut übertragen werden. Auf keinen Fall Zubehör teilen! Nicht von demselben Alufolie-Röllchen rauchen! Zur Sicherheit eigene Rauchröhrchen oder saubere Folie benutzen.
Weitere Informationen zu safer-use-Regeln findest du hier:
Safer Use beim Drogenkonsum - Deutsche Aidshilfe
3. Was tun bei einem Drogennotfall? Wenn du regelmäßig Opiate konsumierst (zum Beispiel Heroin), hole dir unbedingt für den Notfall. hilft bei einer Überdosis von Opiaten wie Heroin und kann Leben retten. gibt es in vielen Drogenhilfeeinrichtungen.
Bei einem Notfall (lebensbedrohliche Symptome wie Bewusstlosigkeit, Atemnot; Krämpfe) solltest du sofort den Notruf 112 anrufen. Beschreibe bereits am Telefon die Symptome und welche Drogen konsumiert wurden, wenn du das weißt. Gut zu wissen: Auch Notärzte unterliegen der ärztlichen
Sorge für eine möglichst ruhige Umgebung. Beruhige die Person und versuche, sie durch Gespräche bei Bewusstsein zu halten. Leiste nach Möglichkeit Erste Hilfe. Bleibe bei dem Menschen, bis ärztliche Hilfe kommt.
Wenn es der Person schlecht geht, es aber nicht lebensbedrohlich ist, rufe den Bereitschaftsdienst 116 117 an oder begleite die Person in eine Arztpraxis.
Weitere Informationen findest du auch bei der Deutschen Aidshilfe oder bei sidekicks.berlin.
Was ist Chemsex und welche Risiken gibt es dabei?
Chemsex bedeutet den bewussten Konsum bestimmter Drogen im sexuellen Kontext, meist über mehrere Stunden oder Tage. Ziel ist es, sexuelle Hemmungen abzubauen, Lust zu steigern und über länge Zeit Sex zu haben
Typische Chemsex-Drogen sind:
Methamphetamin („Crystal Meth“)
GHB/GBL („Liquid Ecstasy“)
Mephedron (4-MMC)
zum Teil auch Ketamin, Kokain oder MDMA
Chemsex ist vor allem in bestimmten Szenen verbreitet – insbesondere bei , bisexuellen oder Männern, die Sex mit Männern haben. Aber auch andere Gruppen konsumieren Drogen beim Sex.
Risiken beim Chemsex sind:
1. Gesundheitliche Risiken:
STIs und HIV: Der Sex ist länger und intensiver, oft mit wechselnden Partner:innen. Kondome und Lecktücher werden oft nur teilweise genutzt, vergessen oder gar nicht benutzt.
Infektionen durch Injektion („Slammen“): Es besteht ein höheres Übertragungsrisiko von HIV, Hepatitis B und C durch geteilte Spritzen oder unsaubere Materialien.
Gefahr durch falsche Dosierungen oder Beimischungen/unsaubere Drogen. Hier kannst du in Berlin Drogen anonym auf ihre Inhaltsstoffe überprüfen und dich beraten lassen. Du musst keine Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben. Es dauert allerdings ein paar Tage, bis du das Ergebnis bekommst.
Verletzungen durch Schmerzunempfindlichkeit: Es besteht eine höhere Verletzungsgefahr im Anal- oder Genitalbereich, z. B. durch härteren oder längeren Sex. Verletzungen vergrößern das Risiko für STI. 2. Psychische und soziale Risiken:
Abhängigkeitspotenzial: Besonders bei GHB/GBL und Crystal Meth gibt es ein großes Risiko, abhängig zu werden.
Konsumdruck und Kontrollverlust: Sex ohne Drogen geht nicht mehr, unangenehme Erlebnisse werden ausgeblendet und ignoriert.
Angst, Depression, Psychosen: Besonders nach dem Konsum oder bei Mischkonsum
Vernachlässigung von Alltag, Arbeit, Beziehungen: Besonders durch häufigen Konsum und Abhängigkeit.
3. Rechtliche Risiken:
Besitz und Weitergabe der meisten Substanzen ist in Deutschland illegal und steht unter Strafe.
Konsum in Wohnungen oder Hotels kann strafrechtliche Folgen haben und zu einer Kündigung durch den Vermieter oder die Vermieterin führen.
Wichtig: Chemsex kann für manche lustvoll, kontrolliert und selbstbestimmt sein – aber für andere ist es mit der Zeit belastend oder problematisch. Wer Chemsex praktiziert, braucht eine sichere Gesundheitsversorgung (Zugang zum Gesundheitssystem, z.B. durch eine Krankenkasse), Beratung ohne Vorurteile und Schutz- und Safer-Use-Informationen.
Vorurteilsfreie Informationen und Hilfe findest du in Berlin zum Beispiel hier:
Schwulenberatung, Mann-O-meter e.V. , Fixpunkt, Checkpoint Berlin, sidekicks.berlin, vista
Bei sidekicks.berlin findest du eine gute Übersicht zu Anlaufstellen: Allerdings kannst du nicht nach Sprachen filtern
Familienplanung/Reproduktive Gesundheit __________________________________________________________________________________
